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Ein Essay über die Firma Commodore und Amiga
Hier mal ein Abriss über Commodores Entwicklung, die Pleite(n) und dem Amiga. Mehr dazu hier, von wo viele Infos stammen.Dargestellt ist Commodores Geschichte und die wichtigsten von Commodore hergestellten Computer sowie dazu überlappend die Entwicklung und Geschichte des Amigas.
Die frühen Jahre
Commodore begann wie viele andere Firmen, die heute große Namen in der Informationstechnologie darstellen, nicht als Hersteller von EDV-Hardware. Nicht einmal richtiger Elektronikanbieter war CBM in den Anfangstagen, sondern ähnlich wie IBM begann man mit der Herstellung von mechanischen Schreibmaschinen. Jack Tramiel, der spätere Gründer, wurde in Polen geboren. In der Zeit des Nationalsozialismus überfiel das deutsche Reich Polen und Tramiel wanderte als Jude in die Konzentrationslager. Er überlebte sechs Jahre Zwangsarbeit und kehrte seiner Heimat nach der Befreiung den Rücken, um die Zukunft im Land seiner Retter, den USA zu suchen. Leider waren die Jobs für Einwanderer auch nicht gerade zahlreich und so entschloß er sich, in der Armee als Berufssoldat zu dienen. Schon als der junger Söldner im Fort Dix der US Army zeigte er ein Talent , das nicht so recht zu einem Soldaten passen wollte: er konnte alte Schreibmaschinen schnell und gut reparieren. Als seine Militärzeit abgelaufen war, öffnete er eine kleine Werkstatt in der Bronx, New York. Langsam, aber sicher stieg der Umsatz, doch Tramiel wollte mehr. Der Visionär und begnadete Geschäftsmann erkannte, die Zukunft gehörte den elektromechanischen Schreibmaschinen und Addiergeräten. Mit der Tschechoslowakei vereinbarte er ein Geschäft: Die Montage von Schreibmaschinen in Kanada. Mit seiner Familie zog er nach Toronto, wo er 1958 die Grundsteine von Commodore International Limited legte.
Einige Jahre später übernahm er einen alteingesessenen Hersteller mechanischer Schreibmaschinen und das Imperium war geboren. Den Kundenwünschen folgend, bot er zusätzlich mechanische Rechenmaschinen erfolgreich an. Eine weitere Übernahme war die Möbelfirma, deren Produkte er bislang verkaufte. Commodore zog dort ein und stellte jetzt unter eigenem Namen Büromöbel her, darunter Tische, Schränke und Aktenvernichter. Anfang der Sechziger wurde CBM der größte Hersteller von Büromöbeln in Kanada. 1962 war Commodore International erfolgreich genug, um an die Börse zu gehen. Unter dem Namen "Commodore Business Machines" firmierte Jack Tramiel als Präsident. 1965 wurde der Präsident einer kanadischen Bank und Commodores C.Morgan von einer Kommission u.a wegen "raffgierigen und prinzipienlosen Finanzmanipulationen" öffentlich angeklagt und verurteilt. Die Kommission begutachtete nun das Verhältnis von Morgan und Tramiel, die beide Commodore leiteten. Zwar war man von Tramiels Unschuld an den Affären nicht ganz überzeugt, mangels Beweisen mußte man in aber in Ruhe lassen. Allerdings schädigten diese öffentlichen Diskussionen den Ruf Commodores doch erheblich. Die Umsätze gingen zurück, Geld wurde knapp und der Konkurs von CBM schien nahe. Eine Wende kam, als sich der Investor Irving Gould für 400.000 Dollar bereiterklärte, 17% der Aktien zu kaufen, und dafür den Posten des Chairmans (entspricht etwa dem deutschen Vorsitzenden des Aufsichtsrates einer Aktiengesellschaft) sowie alle Ansprüche auf hereinkommende Zahlungen zu erhalten.
Die Elektronik hält Einzug
Trotz allem erwies sich der Markt der Rechenmaschinen als zu hart, um Geld zu verdienen. Damals überschwemmte Japan den nordamerikanischen Büromaschinenmarkt mit billigen mechanischen Addiermaschinen. Ein letzter Versuch war Tramiels Reise nach Japan, um den amerikanischen Vertrieb irgendeines Anbieters aus Fernost zu bekommen. In Tokyo angekommen, sah Tramiel den ersten elektronischen Rechner. Sofort erkannte der findige Geschäftsmann, daß das Ende der mechanischen Ära im Büromarkt gekommen sei. Nach seiner Rückkehr bewegte er Commodore weg von den mechanischen Addierern und produzierte 1969 den ersten amerikanischen elektronischen Tischrechner. Basierend auf einem Bowmar LED-Display und einem Texas Instrument Chip, war er so einfach, das erst Sir Clive Sinclair etliche Jahre später das Design vereinfachen und verkleinern (und damit CBM und TI Konkurrenz schaffen) konnte. Zum ersten Mal seit langer Zeit hatte CBM keine Geldsorgen mehr, der Rechner verkaufte sich schneller, als man ihn herstellen konnte. Alle waren verrückt nach einem Ding, das nur die vier Grundrechenarten beherrschte, weit über 100 Dollar kostete (damals etwa 400 DM) und auch noch dauernd ausverkauft war. Aber bald sollte CBM ein neues Problem bekommen. Texas Instruments wollte mehr vom Kuchen. Nur die ICs an Commodore verkaufen, das war den Managern von TI zu wenig. Sie brachten 1975 eine eigene Serie von Rechnern auf den Markt, die halb so teuer wie die von CBM waren. Nach Jahren des steigenden Profits machte man 1975 einen Verlust von 5 Millionen Dollar, einem Zehntel des Umsatzes. Tramiel lernte seine Lektion: Niemals von jemandem abhängig sein. Er sagte später: "Von da an wußte ich, der einzige Weg, im Geschäft zu bleiben, war, es komplett zu kontrollieren."
Die ersten Computer (PET)
Das war leichter gesagt als getan. Der Markt der Rechner und Halbleiter war risikoreich und unvorhersagbar. Irving Gould rettete noch einmal die Firma, indem er insgesamt 3 Millionen Dollar Risikokapital auftrieb, von denen CBM 1976 unter anderem für 800.000 Dollar die Chipschmiede MOS Technologie aufkaufte. MosTek war ein Anbieter von Taschenrechnern und Halbleitern, der zwar genauso in der Krise steckte wie CBM, aber gemeinsam war man stärker. Es folgten weitere Übernahmen: Frontier, ein Hersteller von CMOS-Chips in Los Angeles sowie MDSA, die LCD-Displays produzierten. Die Aufkäufe versorgten CBM mit Know-How in Schlüsseltechnologien der EDV-Branche, die einen gewaltigen Vorsprung zur Konkurrenz darstellten. Um Steuern zu sparen, verlegte Tramiel den Firmensitz aus den USA in das Steuerparadies Bahamas. Das Hauptquartier zog nach Costa Mesa, Kalifornien um. Die neue schlanke Organisation war bereit, sich wiedererstarkt neuen Aufgaben zuzuwenden.
In den Siebzigern sahen alle Fachleute die Zukunft der EDV in riesigen Rechenzentren, die über Terminals mit dem Anwender verbunden waren. Firmen wie IBM, DEC oder Digital konnten sich nicht vorstellen, daß die Leistung eines Rechenzentrums jemals in einer Kiste auf dem Schreibtisch Platz hätte. Die Erfindung des Mikroprozessors hatte IBM zwar registriert, baute seine schrankgroßen Computer aber weiterhin aus Hunderttausenden von Transistoren und ICs. Tramiel dachte da anders. "Computer für die Masse, nicht für eine besondere Klasse", das war jetzt sein Leitgedanke. Zusammen mit MosTek hatte man einen damals noch unbekannten Ingenieur namens Chuck Peddle eingekauft, der kurz zuvor den Motorola-Prozessor 6800 wesentlich verbessert hatte. Diese CPU nannte er 6502. Sie kostete im Verkauf nur einen Bruchteil der Preises, den Intel für seinen 8080 verlangte. So wurde der 6502 auch von anderen Bastlern als Herz von Microcomputern eingesetzt, z. B. von Steve Wozniak in seinem Apple I. Die Legende sagt, daß Peddle eines Tages Jack Tramiel einfach auf dem Flur ansprach. "Vergessen Sie die Taschenrechner. Der Markt ist tot. Wie wär's mit einem Desktop-Computer?" - "Bauen Sie einen", sagte Jack. So wurde der PET geboren, mit dem MosTek 6502 als Herz. PET heißt Haustier und die Buchstaben stehen für Personal Electric Transactor, etwa persönlicher elektrischer Geschäftsmann. Aber PET steht riesig groß auf dem Gehäuse, der Rest ganz klein. So nahm man dem Kunden die Angst vor einen Computer, denn damals waren Computer noch riesige Kisten, die in Rechenzentren herumstanden, massenhaft Strom fraßen, Unmengen von Luft zum Kühlen eingeblasen bekamen und mindestens 250.000 Dollar kosteten.
Die 8-Kilobyte-Version wurde zuerst auf der Chicago Consumer Electronics Show (CES, vergleichbar mit der CeBit heute) gezeigt, die Besucher und Journalisten waren begeistert. Der erste richtige Personal Computer, bereits fertig montiert, mit Tastatur und Massenspeicher (Kassettenrecorder), mit BASIC im ROM, zusammen für nur 800 Dollar, das war 1977 eine Sensation. Innerhalb weniger Monate erhielt Commodore bis zu 50 Händleranfragen pro Tag. Alle wollten den PET vertreiben, alle diese Händler wurden von ihren Kunden gelöchert, wann der PET endlich in ihrer Stadt erhältlich war. Tramiel verkaufte aber direkt an große Handelsketten,kleine Händler waren nun fast ausgebootet.
Mit dem PET wurde Commodore erstmals eine weltweite Firma. Technisch gesehen, war der PET vor seiner Marktreife verkauft worden. Die erste ausgelieferte Version des Betriebsystem-ROMs enthielt gravierende Fehler. Z. B. verhinderte ein simpler Tippfehler des Programmierers das Laden abgespeicherter Programme von der Floppy. Wer sich die teure Floppy leisten konnte, stellte sofort fest, das er sein Basicprogramm zwar auf Diskette ablegen konnte, aber die Laderoutine gnadenlos abstürzte. Auf Anfrage verkaufte CBM ein neues ROM für teures Geld. Die nach Auslieferung der Floppy 2031 hergestellten PETs bekamen zwar das neue ROM, aber etliche standen noch bei den Händlern, die wurden nur auf Kundenanfrage umgerüstet. Diese Verhalten wurde für Commodore und viele andere Firmen in der Branche üblich. "Nutz den Erstkäufer als Betatester. Wenn dieser Fehler feststellt, ist er froh, wenn sie beseitigt werden. Da zahlt er gerne nochmal drauf." Und so wurde CBM nicht zum Marktführer. Der etwa zum gleichen Zeitpunkt vorgestellte Apple II war z.B. leistungsfähiger und besser zu erweitern als der PET. Nach dem relativen Erfolg des PETs ruhte sich Commodore nicht auf den Lorbeeren aus. Neue Rechner wurden entwickelt. Technisch stellten sie allerdings nur Verbesserungen des PET dar (mehr Speicher, größerer Bildschirm, 80 Zeichen/Zeile, "richtige" schreibmaschinenähnliche Tastatur), es sind die CBM 3000-, 4000- und 8000-Serien. Aber von 1981 bis 1984 wuchs der Umsatz um das Siebenfache auf 1 Milliarde US-Dollar. CBM war nun einer der größten Hersteller der EDV-Branche und war mit der 8000er Serie auf dem Büromarkt gut vertreten.
Der VIC-20
Tramiel teilte die Entwicklungsabteilung auf: In die professionelle Linie, die in Braunschweig (Deutschland) saß, weil in der BRD der Großteil der Profi-Rechner verkauft wurde. Und die USA entwickelte Heimcomputer. Diese strikte Trennung zwischen Low- und Highend hielt man bis 1988 durch und führte zu internen Rivalitäten, die zwar beide Teams anspornte, besser als das andere zu sein, aber sich auch gegenseitig blockierten. Die Heimcomputer-Abteilung brachte 1981 den VIC-20 auf den Markt. Im Vergleich zu den großen Brüdern der 8000-Serie war er ein Rückschritt (eigentlich besteht er nur aus Tastatur mit eingebauter CPU).Immerhin ist er der erste CBM-Computer, der Farben darstellen und Töne von sich geben konnte. In Deutschland nannte man ihn nicht VIC-20 (VIC nach dem eingebauten Videochip Video Interface Controller), sondern VC-20. Der VIC-20 wurde der erste CBM-Rechner mit großen Verkaufszahlen. Bis 1985 wurden weltweit ca. 500.000 Stück vertrieben, darunter 200.000 in der BRD, der Verkaufspreis betrug rund 1000,- DM.
Die 610/720-Serie
Eine Forderung der Geschäftsleitung in den USA war ein neuer Heimcomputer. In Braunschweig machte man sich auch an einen Tastatur-Computer.Der 610 wurde zusammen mit dem 500 (technisch identisch mit 610, nur hat der den C64-Videochip) und dem 720 (technisch identisch, lediglich mit 256 KB RAM und in einem Gehäuse mit Monitor und abgesetzter Tastatur) entwickelt. Leider konzentrierte sich die Konzernleitung auf die Vermarktung des billigeren C64. Laut Pressestimmen war der 610 dem C64 haushoch überlegen, war jedoch zu teuer (wegen 128 KB RAM) und erst nach dem C64 zu haben. So folgte der Markt dem neuen System nicht, obwohl er technisch besser war. Über den Expansionsport waren z.B. Erweiterungskarten, z. B. Centronics, RAM-Ausbau bis maximal 960 KB . Durch den riesigen Erfolg des C64 überrollt, wurde der 610 ab 1985 für wenig Geld verramscht und stellte den ersten Fehlschlag Commodores dar. Als 710 (technisch gleich dem 610) und 730 sollte die Linie wieder Boden im Büro zurückerobern. Allerdings: Für 3000 DM zwar ein halbwegs gelungener Rechner, jedoch mit einigen Haken und: er kam zu spät.
Ein weiteres Produkt, daß man zwar bis zur Marktreife brachte, dann aber doch wieder fallen ließ, ist der C900. Ein auf Unix basierender Computer mit einer 16-Bit-CPU von Zilog (Z8000), 512 KB RAM (auf 2 MB erweiterbar), IEEE488-Bus, Festplatte von 20-87 MB, Textmodus mit 80x24 Zeichen, Grafik bis 1024x800, Betriebssystem OS UNIX bzw. Coherent, 1,2 MB-5,25-Zoll-Floppy, und Mausanschlu&ß, so hätte er ein recht erfolgreicher Workstation-Rechner werden können (damals gab es noch nicht allzuviele Workstations mit Grafikausgabe und Mausunterstützung!) Allerdings entschied das Management, daß CBM erstmal viele Homecomputer verkaufen sollte, statt nur wenige Highend-Geräte. So gibt es nur etwa 500 Prototypen vom C900.
Der C64
Anfang 1982 hatte CBM etliche neue Produkte in der Entwicklung, darunter den legendären C64. Tramiel wußte, um erfolgreich zu bleiben, muß man Gewinner sein. So entstand ein recht einfach aufgebauter Computer mit besseren Grafik- und Soundfähigkeiten sowie mehr Speicher, als die anderen Heimsysteme bieten konnten. Der Soundchip war der erste, den Commodore extra für einen Homecomputer entwickelte, statt wie bisher, bestehende ICs einzubauen. Der Entwickler, Bob Yannes, konnte sich so richtig austoben, und Funktionen teurer Profi-Synthesizer (z. B. Filter und Audio-Eingang) integrieren. Aus Kostengründen entschied man sich wieder für das Gehäuse des VIC-20. Dieser Homecomputer mit Fähigkeiten, die manche Bürorechner nicht bieten konnten (64kb RAM!), wurde auf die selbe Art wie der VC-20 vermarktet: z.B. in Spielwarenketten wie Toys 'R' Us. Zwar hatte der C64 am Anfang massive Qualitätsprobleme (etwa 25% waren innerhalb einer Woche nach Kauf defekt), aber die Geräte wurden ja sofort ausgetauscht und keiner redete groß darüber. Glücklicherweise bekam man innerhalb eines halben Jahres die Fertigung besser in den Griff, die Fehlerrate sank auf damals übliche 4%. 1983 schaffte man es, eine C64-Platine, eine Floppyplatine, ein Floppylaufwerk, ein Netzteil und einen Farbmonitor (5 Zoll) in ein gemeinsames Gehäuse zu integrieren, und so den ersten portablen (schleppbar bei ca 17 kg Gewicht) Farbcomputer herzustellen und als SX64 zu vermarkten. Leider war er etwas zu früh und vor allem zu teuer, um ein großer Erfolg zu werden.
Bis 1984 hatte CBM 4 Millionen Rechner weltweit verkauft und pro Monat gingen weitere 300.000 Stück über die Ladentheken. Der C64 war der erfolgreichste Homecomputer geworden. Und Tramiel glaubte weiter an den Erfolg, denn erst 6% aller US-amerikanischen Haushalte hatten einen Computer. In der besten Zeit der Videogames hatten 25% ein Videospiel gekauft, diese Zahl wollte Jack auch erreichen. Ab 1990 stiegen die Verkaufszahlen nochmal erneut:Hatte vorher ein C64-System in der DDR bis zu 25.000 Ostmark gekostet, gab es das Gerät mit Floppy und Monitor für weniger als 500 DM. Bis zur Produktionseinstellung 1993 wurden weltweit mehr als 22 Millionen Computer verkauft. Mehr Geräte des selben Typs hat niemals eine andere Computerfirma geschafft. Und überboten werden kann diese Zahl wohl auch nicht mehr, da die Rechner sich inzwischen in immer kürzeren Abständen abwechseln.
Warum wurde der C64 so erfolgreich? Nun, zum einen wohl der damals riesige Speicher von 64 KB, seine damals großartigen Grafik- und Soundfähigkeiten. Der Soundchip "SID" ist ein sehr guter Klangerzeuger (Von Soundkarten der PCs reden wir nicht, die können nur Samples abspielen.). Er hat Filter, die Klänge ermöglichen, die den damals teuer zu kaufenden Profisynthesizern durchaus nahekommen. Die Erfindung des "Sprite", eines 24 x 20 Pixel großen Bildes, das der Videoprozessor selbsttätig auf dem Bildschirm bewegt, ohne daß der Hauptprozessor diese Grafikdaten ins Video-RAM einkopieren muß, ist zwar nicht direkt von Commodore (Ataris Computer der 400/800-Serie hatten etwas ähnliches schon 1978). Aber erst die CBM-Sprites wurden vom Grafikchip (den man schon fast Grafikprozessor nennen darf) auf Kollision untereinander bzw. mit dem Hintergrund überwacht. Das war ein Novum und vereinfachte die Programmierung von Spielen enorm. Und durch einen Programmiertrick lassen sich die Sprites vervielfachen, so daß man 64 Sprites darstellen kann. Aber der eigentliche Grund für den Erfolg des C64 liegt wohl darin begründet, daß CBM den Rechner preiswert anbieten konnte. Demzufolge verkaufte er sich recht gut. Die Zubehörindustrie entdeckte ihn und bot schnell Erweiterungen an, um die in ihm schlummernden Fähigkeiten dem Anwender erreichbar zu machen. Spieleprogrammierer schufen neue Genres, die nur mit den Sprites möglich waren, und auf anderen Computern nicht oder erheblich langsamer abliefen. So war ein bald unüberschaubares Angebot an Soft- und Hardware für den C64 am Markt. Wer sich einen neuen Rechner kaufen wollte, orientierte sich nicht nur am Preis, sondern auch am Angebot. Und das war für den 64'er eben riesig. So wurde der C64 der erste Selbstläufer der Computergeschichte, der kaum Werbung brauchte, dem Hersteller immer guten Gewinn schaffte (viele spätere Experimente wurden mit den Gewinnen des C64 bezahlt) und der Konkurrenz die Luft abdrehte. Zeitweise hatte Commodore über 75% Marktanteil! Später kam der C64II,welcher aber nur unwesentlich verbessert wurde (1571-Floppy statt der legendären 1541). Mit GEOS bekam der C64 eine grafische Benutzer-Oberfläche und erschloß sich damit auch Marktanteile im Profisegment. Bis heute zeigen 8-bit-Enthuisiasten auf diversen Szene-Partys was in ihren Rechnern so alles steckt (3D-Routinen , die auch bei PClern Erstaunen hervorrufen). Auch sind für echte Freaks CD-Rom, Festplatte, Netzwerk, Modem, HD-Floppy und schnellere CPU (sog. Super-CPU) keine Fremdwörter. Der C65 ist ein relativ unbekanntes Gerät, das man in West Chester entwickelt und 1991 zur Serienreife gebracht hat, inklusive fertigen Formen für das Gehäuse, Tastatur von Fremdanbietern, spezielle Floppy usw. Es sollte der Nachfolger des C64 werden. Mit Stereo-Sound , 4096 Farben, bis 800 x 600 Bildpunkte, 800-KB-Floppy (3,5 Zoll) im Computer eingebaut, internationale Umlaute, bis 2 MB Speicher usw. sollte er sowohl die alten C64-Programme in der Originalgeschwindigkeit können als auch mit seinem 16-Bit-Prozessor mit 4 MHz Takt eine neue Ära einleiten. Doch wäre dies nur eine Konkurrenz zum Amiga 500 geworden, der das alles auch konnte. Und so kamen nur wenige Geräte auf den Markt.
Tramiel muß gehen
Jack Tramiel war für seine knochenharten Geschäftspraktiken bekannt. Er wußte alles über seine Firma, traf fast alle wichtigen Entscheidungen und alles, was ihm nicht paßte, wurde geändert. Wer ihn ärgerte, flog. Commodore war auf dem Papier eine Aktiengesell- schaft, aber Tramiel führte sie wie ein Familienunternehmen. Das hatte zur Folge, daß die Managementstruktur streng hierarchisch ausgelegt war und alles wie ein Unternehmen der Planwirtschaft aufgebaut war. Als Tramiel (auf dem Bild der zweite von rechts) 1983 seine Söhne in der Firmenleitung unterbringen wollte, regte sich endlich Widerstand von Gould und dem Aufsichtsrat. Tramiel verlor am 13. 1. 1984 seinen Posten als Präsident, verkaufte seine restlichen Aktien und verließ CBM endgültig. Nach einem halben Jahr des Nichtstuns und Umherziehens war er der Langeweile leid und kaufte vom Medienriesen Time Warner die angeschlagenen Computer- und Spielefirma Atari. Dort räumte er mit seinen Methoden rasch auf, entwickelte mit dem mitgenommenen Vater des C64, Shivji Shivaz, sowie weiteren Ex-Commodore-Entwicklern, eine neuartige 16-Bit-Computergeneration, die ST-Linie. Irving Gould holte sich vom Konzern Thyssen-Bornemisza (auf den niederländischen Antillen) Marshall F. Smith, um Tramiel zu ersetzen. Neben dem Wechsel der Geschäftsleitung (und der damit verbundenen Änderung der Management-Strategie) war CBM vor einem weiteren großen Problem. Der Markt für Heimcomputer ging wohl dem Ende entgegen. Viele andere Firmen wie Texas Instruments, Coleco, Mattel usw. zogen sich mit hohen Verlusten vom Markt zurück. Einzig der C64 verkaufte sich noch recht zufriedenstellend, aber niemand konnte absehen, ob das noch länger so weiter gehen sollte. Um Commodore wieder profitabel zu machen, entließ Smith 45% (!) der Angestellten und zahlte ein Viertel seiner Schulden an die Banken zurück. Das sorgte natürlich dafür, daß bei einem Umsatz von 339 Millionen Dollar im zweiten Quartal 1985 nur 1 Million Gewinn herauskam. Und das Fiskaljahr 1985 schloß man insgesamt mit 237 Millionen Dollar Verlust ab. Aber das Weihnachtsgeschäft 1985 wurde zum Quartal mit den größten Umsätzen der bisherigen Firmengeschichte, und so konnte CBM den Konkurs gerade noch abwenden und die Tilgungszahlungen an die Banken wiederaufnehmen. Doch mit den Tramiels war der begnadete Geschäftsmann gegangen, der Commodore von Erfolg zu Erfolg geführt hatte. Der Nachfolger Gould wollte nur noch Geld verdienen, ohne sich groß darum zu scheren, womit man es verdiente. Für ihn war ein Computer nur ein Gebrauchsgegenstand wie ein Toaster oder ein Auto. Er hatte einfach keine Visionen, so benutzte er z.B. sein späteres Zugpferd Amiga niemals selbst.
C16/116
Die Reste der einstigen Mannschaft entwickeln ein neues 8-Bit-System, das den VC-20 und den C64 ablösen soll. Intern als CBM 264 und 364 bezeichnet, stellten sie unwesentliche Verbesserungen (teilweise sogar Verschlechterungen) des C64 dar. Die 264-Serie bestand aus C116 als Einsteigermaschine, dem C16 als etwas bessere Einsteigermaschine und dem Plus4 als oberstes Modell. Aber es wurde ein Flop:Mit nur 16 kb RAM ,ohne Sprites und ohne Soundchip wie im C64 verwundert dies kaum. Die Computer wurden ab 1986 in Supermärkten (z. B. ALDI) mit Kassettenrecorder und Basic-Kurs als Lerncomputer verramscht (etwa 100 bis 300DM, je nach Umfang des Kartons, teilweise mit Handtüchern, Duschgels, Joysticks, Videospielen usw). Die vier eingebauten Programme des Plus4 wurden über eine Funktionstaste aufgerufen und bestanden aus Textverarbeitung (die NUR mit dem Commodore-Drucker MPS 801 klarkam, und der war inkompatibel zu allem anderen auf dem Markt), Datenverwaltung und Tabellenkalkulation sowie grafischer Aufbereitung von Daten bzw. Tabellen. Aber gerade diese grafische Aufbereitung war so schlecht , die Qualität der Software entsprach etwa dem Stand von 1977 auf dem PET. Die 364-Serie kam über das Planungsstadium gar nicht hinaus. Er sollte ein 264 mit mehr eingebauten Programmen und einem Chip zur Spracherzeugung sein.
C128
1985 entwickelte die USA einen weiteren Heimcomputer, den C128. Er ist ein Rechner mit drei Betriebssystemen, zum einen die 128er Betriebsart mit 2 MHz und 128 KB RAM, dann ist er kompatibel zum C64 in einem speziellen C64-Mode mit 1 MHz und nur 64 KB RAM, und er kann CP/M, allerdings aufgrund des geteilten Rechners und der seriellen Floppyverbindung sehr langsam (professionelles Arbeiten ist kaum möglich.) Der C128 ist wohl der erste Computer der Welt, der zwei Monitore ansteuern kann ,das Basic trägt die Versionsnummer V7.0 und ist total runderneuert.Dieser hatte zwar mehr Funktionen als der C64 (so sind z.B.alle Grafik- und Soundmöglichkeiten sind endlich per Basic-Befehl erreichbar), war diesem jedoch zu ähnlich, um eine wirkliche Verbesserung darzustellen und nur als schnellerer C64 zu teuer, deswegen hat er den C64 nicht überlebt, der noch lange nach Produktionsende des C128 gebaut wurde.
 J.Miner entwickelt den Amiga
Wir müssen hier kurz den chronologischen Ablauf der Geschichte unterbrechen und einige Jahre zurückspringen. Also wieder zu den Anfängen der Achtziger Jahre...
Die Geschichte des Amigas beginnt etwa 1982. Jay Miner (er hatte die Grafik- und Soundchips der Atari-Computer entworfen) war damals bei einem Chiphersteller mit der Entwicklung von Herzschrittmacher-Bausteinen beschäftigt. Logischerweise langweilte er sich dort. Als Larry Kaplan (ein ehemaliger Kollege Miners bei Atari) mit dem Gedanken, eine eigene Firma zu gründen, an Miner herantrat, war dieser sofort bereit, seinen Job aufzugeben und sich selbständig zu machen. Interessanterweise trieb Miners Chef weitere Leute auf, die die neue Firma unterstützen wollten: David Morse (Manager bei Tonka Toys, die damals vor allem Blechautos bauten) und einige andere Geldgeber. Die Neugründung nannte man "Hi Toro". Ziel sollte die Neuentwicklung eines revolutionären Videospiels sein. Leider verschreckte der seltsame Name so manchen Stellenbewerber um die ausgeschriebenen Posten bei Hi Toro's Entwicklungsabteilung. Der Name mußte geändert werden. Man suchte einen "freundlichen" Namen. Auf spanisch heißt "Amiga" Freundin - der Name war gefunden. Das Videospiel, das die Finanziers wollten, erschien den Entwicklern als überholt. Sie wollten lieber einen richtigen Computer, den aber mit herausragenden Grafik- und Sound-Eigenschaften herstellen. Weil RAM damals noch sehr teuer war, mußte man Rechenoperationen (und damit Speicherbedarf) in Hardware entwerfen. Der CPU sollten leistungsfähige Coprozessoren zur Seite stehen. Miner wollte bereits zu seiner Atari-Zeit einen Rechner auf Basis des 16-Bit-Prozessors Motorola 68000 entwickeln. Doch damals wollte die Geschäftsleitung von Atari das nicht. So träumte Miner weiter seinen Computertraum, bis er ihn bei Amiga verwirklichen konnte. Allerdings mußte das Team die Geldgeber etwas betrügen. Alles, was man schuf, sah wie ein Spiel aus, war aber ein Computer. Der Öffentlichkeit gegenüber (und der Konkurrenz wie Atari und Commodore) mußte man eine Lügengeschichte auftischen: Offiziell entwickelte Amiga Zubehör für Videospiele. Als die Späher der Konkurrenz sahen, daß man nur Joysticks entwickelte und verkaufte, konnte man in Ruhe am Computer weiterarbeiten. Jay Miner als Chef der Entwicklung schuf ein extrem lockeres Arbeitsklima. Wenn ein Angestellter in Hausschuhen zur Arbeit erschien, verlor man kein Wort darüber. Hauptsache, er tat seinen Job. Carl Sassenrath bewarb sich als Software-Ingenieur und wurde eingestellt, um die Entwicklung des Betriebssystems zu leiten. Beim Vorstellungsgespräch sagte man ihm, er könne machen, was er wollte. "OK, dann mach' ich ein Multitasking-System." So wurde der Amiga die erste Maschine, die mehrere Programme gleichzeitig abarbeiten konnte. Weitere Beschäftigte waren R. J. Mical und Dale Luck für die Systemsoftware, Ron Nicholsen (Blitter-Chip), Dave Dean (I/O-Chip Denise). Miner entwarf den Grafikchip Agnus und das Gesamtkonzept. Trotz allem kam aber recht schnell die erste große Krise. Was die Entwickler vorausgesehen hatten, trat ein: Der Videospielmarkt brach in sich zusammen. Niemand wollte mehr Geld für eine Spielekonsole ausgeben, wenn er für nur wenige Dollar mehr einen "richtigen" Computer erwerben konnte. Bei Atari fuhr man Spielemodule direkt aus der Produktionshalle auf eine Müllkippe, so schlecht war der Absatz geworden. Bei Amiga, Inc. war Jay Miner aber optimistisch. Die Vetriebsleute gerieten in Panik, er nicht, denn der Amiga war keine halbfertige Konsole, sondern ein halbfertiger Computer, der nur als Spielkonsole getarnt war. Er schlug diesen einen neuen Entwurf vor, welcher dem Amiga1000 schon ähnelte und so ging es weiter.
Im Frühjahr 1983 war das Konzept des Computers größtenteils fertig. Ein vollkommen neuartiger, geradezu revolutionärer Computer war (auf dem Papier) geboren, auf den Tischen standen Platinen mit Hunderten von TTL-ICs, die die späteren Custom-Chips emulierten. Man wollte nicht einfach Geld verdienen, sondern die Computerwelt entscheidend verbessern. Hochtechnologie einfach verpackt, damit sie jedermann leicht bedienen konnte. Jedoch mußte noch viel Detailarbeit geleistet werden (besonders an der Software), bis der Rechner verkaufsfertig sein würde. Das Arbeitstempo zog immer mehr an, weil den Finanziers langsam, aber sicher das Geld auszugehen drohte (der Joystickverkauf war auch nicht gerade gewinnträchtig...). Programmier-Dauerschichten, 48-Stunden-Einsätze am Lötkolben, Assembler-Nachtschichten - all das häufte sich, bis der Amiga erstmals auf der CES (Consumer Electronics Show, so bedeutsam wie die CeBit bei uns) Januar 1984 vorgeführt werden konnte. Kurz zuvor war der Prototyp möglichen Interessenten vorgeführt worden, darunter Apple, Sony, Philips, HP und anderen. Die Messepräsentation war ein großer Erfolg, wenn auch der Rechner oft "abschmirgelte". Er war ja immer noch die Sammlung aus Hunderten von Einzelchips, die extrem empfindlich, vor allem gegen statische Aufladung war. Zuhause in den Labors half man sich, indem man barfuß herumlief, auf der Messe mußte man eben mit einem großen Koffer von Ersatz-Chips schnelle Reparaturen leisten. Oben auf dem Tisch stand ein fast fertiger Amiga. Jedoch war er ein Plazebo. Der eigentliche Rechner befand sich unter dem Tisch, der reinste Drahtverhau. Die Besucher waren "hin und weg". Das berühmte Demo "Bouncing Ball" (ein sich drehender karierter Ball prallt auf die Monitorgrenzen und macht dann "Boing", so etwas konnte (weder sound- noch grafikmäßig) ein anderer Computer leisten. Vielleicht ein paar sündhaft teure Superworkstations, aber keine andere "kleine Kiste". Leider reichte die Begeisterung der Messebesucher nicht aus. Keine der großen Firmen war bereit, in das Projekt Geld zu pumpen. Die Finanzen wurden immer dünner. Die Geldgeber wollten nicht noch mehr Kapital nachschießen, sondern endlich mal Gewinne sehen. Das Ende rückte in greifbare Nähe. Doch Jay Miner (und viele andere Beschäftigte) nahmen Hypotheken auf, um Amiga, Inc. weiterleben zu lassen. Miners ehemaliger Arbeitgeber Atari gab 500.000 Dollar Kredit, den man mit den später anfallenden Lizenzgebühren verrechnete (Atari wollte drei bis vier der Chips in eigenen Rechnern verwenden, nicht aber den Amiga vertreiben). Aber im Herbst 1984 trat Jack Tramiel auf den Plan: Er hatte Commodore verlassen und Atari gekauft. Beim Durchstöbern der Bücher war er über die 500.000 Dollar gestolpert und brauchte nur auf die Fälligkeit des Kredits zu warten. Er wußte, daß die kleine Firma Amiga, Inc. das Geld nicht aufbringen konnte. Dann hätte sie ihm gehört. So war er bei seinen Verhandlungen nicht zimperlich. Sowieso ein knallharter Geschäftsmann, drückte er den Kurs, mit dem er die Amiga-Aktien aufkaufen wollte, immer weiter herunter, bis auf unter einen Dollar pro Aktie! Ein paar Tage vor dem finanziellen Ende flog David Morse (Amigas Finanzchef) zu den Commodore-Chefs. Die boten ihm 4 Dollar pro Aktie. Er zierte sich etwas, und verlangte sogar 4,25 Dollar, die er auch bekam. So war Amiga, Inc gerettet und wurde für den Kaufpreis von 27,1 Millionen Dollar zunächst eine eigenständige Tochter von Commodore International.
Noch ein Detail am Rande: Die berüchtigte "Guru-Meditation" ist ein Erbe der Anfänge von Amiga, Inc. Da man ja zu Anfang Joysticks herstellte, entwickelte man unter anderem ein Meditations-Brett. Auf das setzte man sich und mußte ruhig bleiben, damit der Cursor auf dem Bildschirm einen bestimmten Punkt erreichte. Immer, wenn der Amiga wieder einmal völlig unerklärlich abstürzte und man der Lösung am Computer nicht näherkam, entspannte sich das Team auf diesen Joy-Brettern. Dabei mußte man ruhig wie ein Guru sitzen, um die Spielfigur nicht zu bewegen. Bald hatten Systemabstürze den Spitznamen "Guru-Meditation" weg und wurden so auch im Betriebsystem verewigt.
Der Amiga wird geboren
Die Entwickler von Commodore International wußten, daß der 8-Bit-Markt am Ende war und die Zukunft den 16/32-Bit-Maschinen wie Apples Macintosh gehörte. Der nächste Schritt war also die Veröffentlichung eines eigenen 16-Bit-Systems. Da die Tramiels aber alle wichtigen Entwickler mit nach Atari genommen hatten, und dort Gerüchten zufolge bereits tief in der Entwicklung eines solchen Rechners steckten, wußte man sich bei CBM nicht zu helfen. Eine neue Mannschaft aufzubauen, die eine komplett neuartige Maschine aus dem Boden stampfen konnte, das war nicht machbar. Glücklicherweise gab es eine kleine Firma namens Amiga, die ein Videospiel auf der Basis des 16-Bit-Prozessors 68000 entwickelte. Dieser Firma ging allmählich das Geld aus. Sowohl Atari als auch Commodore wollen Amiga, Inc. aufkaufen. Ein Pokern begann, das CBM schließlich gewann und Amiga, Inc mit den Entwicklern für 27 Millionen Dollar übernahm. Aus dem halben Rechner mußte nun ein richtiger Rechner werden: das brachte Probleme mit sich. Commodore wollte einen Computer ähnlich dem IBM-PC. So präsentierte man Jay Miner ein Gehäuse, in das er den Amiga bitteschön hineinzupacken hätte. Er war ziemlich enttäuscht, wie CBM mit seinem Traum umsprang. Er hätte lieber gleich etwas gebaut, was wie der spätere A2000 aussah, statt diesem "bereits bei der Vorstellung veraltetem System" (Zitat Miner). In den ursprünglichen Entwürfen waren ein Steckplatz für Spiele-Module, ein internes 300-Baud-Modem und ein Anschluß für eine Laser Disk (für Video-Anwendungen) vorgesehen, alles dieses hat Commodore weggestrichen. So hatte der Amiga mit dem ersten Entwürfen bald nicht mehr vieles gemeinsam: Eigentlich nur die Grafik- und Soundeigenschaften, alles andere wurde nach und nach, teilweise mehrmals, verändert. Aber es gab noch andere Probleme. Tramiel sann auf Rache. Aus der Firma geworfen und den Amiga nicht bekommen, klagte er gegen Amiga Inc., Jay Miner hätte Patente aus dessen Zeit bei Atari verletzt, als er die Chips des Amigas entwarf. CBM konterte mit Gegenklage: Atari habe massenhaft Commodore-Entwickler abgeworben. Der Atari-Amiga-Kampf begann, der sich noch lange Jahre zwischen beiden Unternehmen fortentwickeln sollte und auch die Anwender zu teilweise erbitterten Gegner machen sollte. Das Ganze artete zu einem "Glaubenskrieg" aus, anstatt daß man sich gemeinsam gegen den eigentlichen Konkurrenten PC gestellt hätte.
Im Januar 1985 war wieder CES, bis dato verzögerte sich die Entwicklung. Ein Jahr nach der ersten öffentlichen Vorführung war der Amiga immer noch nicht lieferbar! Dafür der rasend schnell entwickelte Atari ST! Ein Schock für CBM und Amiga, Inc. Nun war man nur noch Zweiter im Wettlauf um den 16-Bit-Heimmarkt. Nun unter dem Codenamen "Lorraine" entwickelt, nannte man den Amiga intern "Rette-die-Firma-Maschine". Zwar hatte man die Hardware serienreif, das Gehäuse und die Tastatur waren fertig, aber die System-Software war immer noch nichts Rechtes. Commodore importierte Tim King von der britischen Software-Schmiede Metacomco. Er hatte ein fertiges 16-Bit-Betriebssystem namens TriPos geschrieben, das auf alle möglichen Plattformen portiert werden konnte. Es entstand während seiner Studienzeit 1976 und wurde bis 1984 auf verschiedene Großrechner portiert. Die Anpassung an den Amiga soll nur drei Wochen gedauert haben, dann war die Anbindung an die WorkBench (grafische Oberfläche) und die CLI (Kommandozeileneingabe) fertig. Allerdings war die Metacomco-DOS-Anpassung ohne das Wissen der Hardware-Entwickler in Kalifornien gemacht worden. Sie bekamen das fertige Ergebnis präsentiert und mußten nun wieder einmal ihre Grafik-Schnittstellen anpassen. Das Verhältnis Los Gatos (Amiga Inc.) und West Chester (CBM-Hauptsitz) wurde immer schlechter. Die Amiga-Designer fühlten sich immer mehr als Befehlsempfänger, deren "Kind" Amiga von Marketingmenschen, die von Technik keine Ahnung haben, umgestaltet wurde. Das Aussehen der WorkBench (blauer Hintergrund, weiße Schrift, rote Rahmen und Mauszeiger, usw.) wurde auf NTSC ausgelegt. Dieses Farbsystem ist zum europäischen PAL-System nicht sehr farbstabil; es kann vorkommen, daß die Farben "kippen" und die Behebung auch dieses Problems kostete Zeit. Aufgrund der Eile bekam man die Systemsoftware nicht hundertprozentig fertig. So entschloß man sich zu einem Trick: Der Serien-Amiga bekam nur ein winziges Boot-ROM, das nach einer KickStart-Diskette verlangt. Ist diese geladen, kann die WorkBench von einer zweiten Diskette nachgeladen werden. Der Speicher, in die das KickStart von Diskette eingelesen wird, hat einen WORM (Write Once, Read Multiple) Status. Durch TTL-Logik werden die Schreibleitungen der KickStart-RAM-Chips nach dem Einlesen des KickStart dauerhaft und unwiederbringlich gesperrt. Selbst ein Absturz des Rechners kann den Inhalt dieses RAMs nicht verändern, so daß nur einmal pro Einschalten des Computers die Aufforderung zum Einlegen der KickStart-Diskette erscheint.
Kurz vor der Veröffentlichung (nach Wochen und Monaten von Dauerschichten, Nachtschichten, durchprogrammierten Wochenenden usw.) waren immer noch Fehler in der Systemsoftware enthalten, die einen längeren Betrieb unmöglich machen. Commodore entschloß sich dazu, den ausgelaugten Entwicklern einen viertägigen Zwangsurlaub zu verpassen, damit sie sich erholen konnten, und anschließend mit neuem Schwung die Fehler zu erkennen und zu beseitigen. Die Designer waren natürlich nicht davon überzeugt, daß diese Maßnahme Erfolg hätte. So stellte CBM Wächter ein, die verhindern, daß an den 4 Tagen gearbeitet wurde! Wer von den Entwickler in das Gebäude wollte, weil er persönliche Dinge vergessen hatte, wurde unter Begleitschutz eingelassen und streng überwacht, ob er nicht etwa heimlich ein bißchen programmieren wollte. Das Gehäuse zeigte eine Besonderheit. Auf der Innenseite des Deckels hatten alle an der Entwicklung beteiligten Personen unterschrieben. Diese Unterschriften wurden digitalisiert und in die entsprechende Kunstoff-Spritzgußform eingearbeitet. So ist jeder Amiga wie ein Kunstwerk signiert. Einzigartig in der Branche.
Der Amiga 1000
Vorgestellt wurde der endlich fertige Computer am 23. 7. 1985. Nicht auf einer Messe, sondern auf einer eigenen Veranstaltung, die nur den Amiga präsentierte. Im Lincoln Center, New York, erlebte der Rechner seine erste Präsentation. Es gab nur drei fertige Prototypen. Die letzen Arbeiten daran waren noch am Vortag gelaufen. Die Entwickler hatten die Vorseriengeräte per Flugzeug von Los Gatos (dem Amiga-Firmensitz) nach N.Y. transportiert. Damit ihnen nichts passierte, hatte man pro Computer einen Sitzplatz gebucht, so daß ein Angestellter immer neben einem Computer saß. Besucher und Journalisten waren einhellig begeistert. Eine Computerzeitschrift meinte, daß das Ende der PCs, MACs und aller anderen Kisten gekommen wäre. Und die neue Kiste war stark. Genau wie der Macintosh auf den schnellen Motorola 68000-Prozessor basierend, standen der CPU aber drei schnelle Custom-Chips zur Seite, die ihn wesentlich schneller als den Mac machten. Als erster Heimcomputer der Welt beherrschte er Multitasking, also die Abarbeitung mehrere Programme gleichzeitig. Und seine Grafik- und Soundfähigkeiten waren sensationell: Vierstimmiger Stereo-Digitalsound (basierend auf 8-Bit-Samples), maximal 4096 Farben, bei ca 640 mal 400 Pixel diese GLEICHZEITIG, mehrere virtuelle Bildschirme, die der Anwender hintereinanderlegen konnte (jeder dieser Screens kann eine andere Auflösung und Farbtiefe haben!), eine grafische Oberfläche, die aber trotzdem (wer es denn will...) per Command Line Interface (CLI) zu bedienen ist, Sprachausgabe, das alles war sensationell. Leider war der Anfangspreis von etwa 7000 DM mit Maus, Tastatur und Farbmonitor zu hoch für den Heimmarkt. Und wer ihn kaufen wollte, mußte ewig warten. Erst ab September wurde ausgeliefert. Zuerst gab es Produktionsprobleme, dann konnte man nicht genug herstellen. Zusätzlich hatte Commodore Finanzprobleme. Die Entwicklung des Amiga und die Flops der 8-Bit-Rechner (Plus4, C16, C116 ,C128, C128D, die alle die Entwicklungskosten nicht hereinholten) hatten das Polster aufgezehrt. Später kursierten Gerüchte über neue Amigas mit Motorola 68020-CPU und eingebauter Festplatte. Namen wie Amiga III, Amiga IV oder Amiga V wurden genannt, ein Projekt "Ranger" sollte entwickelt werden und so weiter und so fort. Dementis hier, Dementis da, Dementis dort. "Ranger" sei nur ein Sammelbegriff für neuentwickelte Amigas. Die ersten Mitglieder des Los-Gatos-Teams von Amiga Inc. verließen damals Commodore, weil sie die Pläne für neuere, bessere schnellere Amigas nicht durchsetzen konnten. Das Konzept des verkauften Gerätes stammte ja aus dem Jahre 1982/1983, es war eigentlich veraltet. Um im sogenannten Profibereich mithalten zu können, wurde das Sidecar entwickelt. Technisch gesehen ein etwas veralteter PC, wurde dieser rechts an den Amiga 1000 gesteckt. Das Sidecar konnte sich nie durchsetzen und war als Komplettsystem einfach zu teuer.
Thomas Rattigan kommt
Im März 1986 ersetzte man Smith durch Thomas J. Rattigan, den Gould bereits April 1985 eingestellt hatte, um Smith langfristig abzulösen. Smith wurde nach dem Wechsel als Direktor weiterbeschäftigt. Rattigans Aufgabe war klar: Kosten senken, Commodores Position am Markt verbessern, und den Konzern wieder auf stabilen Kurs bringen. Noch einmal wurden Entlassungen ausgesprochen, drei Fertigungsstätten in fünf Monaten geschlossen und alles besser organisiert. Eine neue Struktur wurde im Management eingeführt, um verdeckte Kosten schneller erkennen zu können, und Ladenhüter sowie Fehlentwicklungen eher auszumerzen. Der C64 wurde weiterhin erfolgreich verkauft, so daß Geld in die Kassen strömte. Rattigans Pläne waren erfolgreich. Im März 1987 hatte CBM alle Schulden bezahlt und konnte wieder einen Gewinn von 22 Millionen Dollar für das letzte Quartal 1986 vorweisen. Und man hatte 46 Millionen Dollar Kapital ansammeln können, mehr als im bisher besten Jahr, 1983.
Neue Amigas (A500 / A2000)
1986 bereits schien der Amiga am Ende. Er verkaufte sich nur in Nischenbereichen (seine Grafik-Fähigkeiten machten ihn in allerdings Fernsehstudios unersetzlich). Für größere Verkaufszahlen reichte das aber nicht aus. Sommer 1986 verdichteten sich die Gerüchte um eine neue Amiga-Generation. Man redete von neuen Sonderchips, die Jay Miner (der Commodore inzwischen schwer enttäuscht verlassen hatte) noch entwickelt hätte. 2 MB Video-RAM adressierbar, mehr Farben, schnellerer Bildaufbau waren die angeblichen Features. Jay sagte in einem Interview, CBM wolle den in der Fertigung zu teuren A1000 auslaufen lassen und durch einen Tastaturcomputer (also CPU, Floppy und Tastatur in einem Gehäuse) ersetzen. Damals war der Atari ST erfolgreicher als der Amiga, weil er preiswerter war. Commodore dachte aber, es läge daran, weil der Amiga so professionell aussähe und wollte einen Computer bauen, der den C64 ablösen sollte. (Bei Atari gab es hingegen Entwicklungen, den ST dem Amiga ähnlicher zu machen) Das Management entschied, die Amiga-Linie zu splitten: in eine Heimversion und eine Profiversion, ähnlich wie früher der C64 die Heimmaschine und die 8000er die Profirechner waren. Wieder wurde der Heimcomputer in den USA und der Profirechner in Braunschweig entwickelt. Es enstanden Geräte, die mit dem Ur-Amiga (den man ab jetzt Amiga 1000 nannte) eigentlich nur das Konzept und wenige Chips gemeinsam hatten, ansonsten wurden sie neu entwickelt. Von den Entwicklern des A1000 war fast niemand mehr daran beteiligt. Doch es dauerte recht lange. In Braunschweig hatte man mit dem Sidecar Erfahrungen mit der Verbindung des Amigas mit dem PC gewonnen und wollte den neu zu entwickelnden Rechner gleich mit Steckplätzen und optionaler PC-Karte versehen. So bekam der A2000 drei Zorro-II Steckplätze für Amiga-Karten, einen Videosteckplatz für Genlocks und FlickerFixer (um das augenschädigende Interlace-Flimmern zu beseitigen), einen Prozessorslot für optionale schnellere CPUs (z. B. den neuen Motorola 68030 mit 25 MHz) und schließlich drei AT-Steckplätze, wie sie in den normalen Industrie-PCs von IBM auch eingebaut waren. Auf der CES Januar 1987 wurde der A2000 gemeinsam mit der amerikanischen Entwicklung, dem A500, vorgestellt. Das war der Tastatur-Computer, der technisch dem A2000 ähnelt,, jedoch einen zum A1000 um 180 Grad verdrehten Expansionsport hat . Beide Rechner hatten wieder nur 512 KB RAM, das aber auf maximal 1 MB ChipRAM und 8 MB FastRAM (auf das der Prozessor allein zugreift, und deswegen nicht durch die Sonderchips ausgebremst wird. Hat der Amiga FastRAM, wird er um ca. 25% schneller.) erweitert werden konnte. Nur: die verbesserten Chips von Jay Miner waren NICHT eingebaut! Eine richtige Verbesserung stellten beide Computer nicht dar, sie waren eigentlich eine kostenreduzierte Version in einem anderen Gehäuse. Der A500 war als Einsteigermaschine gedacht, die das Marktsegment des C64 bedienen sollte, und mit dem A2000 (der wie ein IBM-Computer aussieht und genauso erweiterbar ist) hoffte man, endlich im Büromarkt an die früheren Erfolge der CBM 4000 und 8000 anknüpfen zu können.
Nach Rattigan
Am 22 April 1987 wurde Rattigan von Irving Gould selbst ersetzt. Die Gründe für den Wechsel sind unklar, schaffte es Rattigan doch, CBM aus der Krise herauszuführen und im letzen Quartal 86 wieder 28 Millionen Dollar Gewinn einzufahren. Möglicherweise waren es persönliche Konflikte zwischen Gould und Rattigan. Gould begann eine dritte Entlassungswelle. Von 4700 auf 3100 Angestellte sank die Zahl der Beschäftigten, die Hälfte der nordamerikanischen Zentrale mußte gehen und fünf Fertigungsstätten wurden geschlossen. Der erreichte (vielleicht, weil man so wenig Werbung machte) erst im Jahre 1989 die 1-Million-Grenze. So wurde der Amiga erst jetzt zum Zugpferd für Commodore und war nicht wie der C64 ein Selbstläufer, den man nur herzustellen und zu verkaufen mußte. Trotzdem war der Amiga500 ein großer Erfolg,vor allem in Großbritannien (1989 in 6 Wochen 100000 Stück) und in Deutschland, wo der Amiga um 1990 zum Marktführer wurde und damit den C64 ablöste. Doch Commodore schien sich erstmal ausruhen bzw. sich auf das PC-Geschäft werfen zu wollen :Außer Gerüchten lieferte man weder neue Hardware noch wurde das Betriebssystem signifikant verbessert. Das einzige, was man zunächst neu vorstellte, war der Amiga 2500, ein aufgebohrter A2000 mit 68020er Turbokarte. Sowohl Zeitschriften als auch die User waren entsprechend enttäuscht, erst sieben Jahre nach dem A1000 bzw. fünf nach dem A500/2000 wurde eine wirklich neue Entwicklung präsentiert, zu lange auf dem schnellebigen Computermarkt. Die ersten Entwickler von Soft- und Hardware begannen bereits, sich enttäuscht aus dem Amiga-Markt zurückzuziehen und für andere Systeme (PC und Macintosh) zu entwickeln.
Zwischenkapitel: Commodore PCs
Die Commodore-Manager meinten, daß der Markt nach PC-kompatiblen Geräten verlangte. So wollte auch CBM PC-Nachbauten herstellen. Doch anders als andere Anbieter kaufte man nicht Teile in Fernost, um sie dort zusammenbauen zu lassen, und dann lediglich Commodore draufkleben zu können. Nein. So nicht. Bitte mit Stil. In Braunschweig wurde ab 1985 eine ganze PC-Familie entwickelt. Das Gehäuse ähnlich dem Amiga 2000, mit Prozessoren vom 8088 bis (zuletzt) 80486. Und alles war "Made by Commodore": das Motherboard, die Grafikkarte, das Netzteil, eben alles. So waren CBM-PCs teurer als gleichgute und gleichschnelle Billigangebote aus Fernost; das bewog nicht viele Käufer, den Commodore-PC zu erwerben. Ein wenig erfolgreich war die PC-Linie nur in Deutschland. Hier hatte CBM noch seit den 8000ern den Rufe eines Bürocomputerherstellers. In der übrigen Welt verkauften sich manche Geräte so schlecht, daß man nicht einmal die Entwicklungskosten hereinbekam. Neben der Erfolglosigkeit hatte der CBM-PC noch einen Nachteil: Es sah so aus, als ob man selber nicht so recht an den Amiga glauben wollte. Nicht gerade imageverbessernd.Doch bis zum Schluß wurden Unsummen hineingesteckt, was die spätere Pleite mitauslöste. Das Ende der PC-Produktion 1992 kam da schon zu spät, zu viel Schaden war angerichtet.
Copperfield
Seit langen, zu langen Jahren gab es keine Neuigkeiten von Commodore. wirklich neuen Geräte, keine neue Systemsoftware, nichts, was von Bedeutung wäre. Der Marktanteil des Amigas war international bescheiden. So stellte Irving Gould wieder einmal einen neuen Topmanager ein, der durchgreifen sollte: Harry Copperfield (trotz des Namens war er kein Zauberer...), der 20 Jahre bei IBM und 2 Jahre als Vertriebsleiter von Apple gedient hatte. Er kündigte an, den Amiga in den Mittelpunkt von Commodores Produktion rücken zu wollen. Copperfield zauberte in kurzer Zeit neue Produkte hervor. Es waren Entwicklungen, die seine Vorgänger angefangen und wieder gestoppt, oder gar fertig entwickelt, liegengelassen hatten. Darunter: eine Motorola-68030-CPU-Karte für den A2000, eine Amiga-Grafikkarte mit True Color, ein stark beschleunigter Festplattencontroller (A2091), eine serielle Schnittstellenkarte (statt 19.200 Baud mit zeitgemäen 115.000 Baud), Netzwerkkarten, und - vielleicht das wichtigste - ein verbessertes ChipSet für A500 und A2000. (ECS, das mehr Farben darstellen kann und bis 2 MB Adressraum beherrscht (statt 512 KB). Und man arbeitete nun an einem neuen Amiga 3000.
CDTV
Im März 1990 wurde endlich ein neuartiges Produkt vorgestellt: Amiga CDTV. Die Abkürzung stand zuerst für "Compact Disk Television", bald aber zu "Commodore Dynamics Total Vision" umgemünzt. Die Markteinführung kam aber erst 1991, um mehr Software zum Verkaufsstart anbieten zu können. Jedoch ist das CDTV lediglich ein A500 mit 1 MB, CD-Laufwerk (Singlespeed) und CD-Abspielsoftware im ROM in einem schwarzen Gehäuse, das von Größe und Formgebung zur heimischen Stereoanlage paßte. Es ließ sich zwar zu einem "richtigen" Amiga aufrüsten, doch erhöhte sich der Grundpreis von ca. 1600 DM durch Zukauf von Floppy, Tastatur, Maus, Monitor, usw. um weitere 1000 DM, so daß das Gerät einfach überteuert war. Es gab zu wenig gute Anwendungen, die das Medium CD 1990/91 sinnvoll einsetzten, als daß das CDTV ein Erfolg hätte werden können, obwohl mit dem CD570 für den Amiga500 die Verbreitung dieses neuen Mediums förderte Commodore plante aber auch den kommerziellen Einsatz als POI/POS-System (Point of Information / Point of Sale) auf Messen, in Geschäften, in Museen usw. Leider hing CBM und dem Amiga der Ruf des Spielecomputers an, deswegen wurde er in diesem Bereich nicht angenommen. Außerdem war es noch zu früh für Multimedia,man war der Zeit voraus. Der Boom kam erst später.
A3000
Am 24 April 1990 wurde der A3000 in einer Gala vorgestellt. Sie war nicht so imposant wie die von 1985, aber die Anwesenden waren trotzdem begeistert. Der Rechner war stark, daran war kein Zweifel. Mit 68030-Prozessor, 25 MHz Takt, dem neuen HD-Floppys, SCSI mit Festplatte und Scandoubler on board, komplett durchgehende 32-Bit-Architektur, neue Systemsoftware (endlich Workbench 2.0!) gab es einen enormen Leistungsschub für die Amigagemeinde. Copperfield erklärte voller Stolz, daß der A3000 das einzige echte Multimediasystem sei. Eine Version mit Unix wurde als A3000UX bezeichnet. An dieser Maschine zeigte sogar der WorkStation-Hersteller SUN Interesse. Man wollte den Amiga als kleines Begleitsystem für die neuesten, recht teuren SPARC-Stations unter dem Namen SUN als OEM-Gerät vermarkten. Das Management von Commodore war sich dazu zu fein. SUN kaufte in Fernost.
Der A500+/A600
Der Amiga 500 wurde nach Einführung des A3000 und Workbench 2.0 durch den Amiga 500plus ersetzt. Zwar hatte er ECS-Chipset, Workbench 2.0 und 1 MB serienmäßig, war also besser als der Vorgänger. Jedoch liefen viele Spiele nicht, weil viele alte Spiele zu hardwarenah programmiert wurden. Viele Spieledesigner hielten sich nämlich nicht an Programmier-Richtlinien, schließlich wollte man das Optimum an Geschwindigkeit herausholen. Die alten A500, die man noch im Lager hatte, wurden zu reduzierten Preisen verscherbelt. Darauf stürzten sich die Käufer, der A500+ blieb liegen. Man hatte den Amiga-Markt erneut tief erschüttert. Außerdem wurde wieder einmal der Leiter der Entwicklungsabteilung ausgewechselt. Projekte wurden gestoppt, der neue Leiter kurbelte neue Entwicklungen an, wieder ging Zeit verloren. Das neue Sonderchipset "AA" (Advanced Amiga, eine komplett neuentwickelte Version von Jay Miner 1985er-Chips mit mehr Farben, 32-Bit-Zugriff, usw.) war fertig, und sollte ab April 1991 im A3000 zusammen mit einem DSP eingebaut werden. Der neue Mann brach alles, was mit AA zu tun hatte, ab und ließ statt dessen einen A300, eine kleine Version des A500 als C64-Nachfolger entwerfen.
Daraus wurde dann der A600. Der war ein Flop. Von Anfang an. Bereits seine Leistungsmerkmale konnten, auch mit massivem Werbe-Aufgebot (das es sowieso nicht gab) niemals erfolgreich sein. Das Motherboard steckte in einem kleinen Gehäuse, die Tastatur war erheblich schlechter als die des A500, ergonomisch ungünstig und hatte keinen Ziffernblock. Somit konnte man in manchem Amiga-Programm nicht alle Funktionen auslösen, weil diese Software zwischen den Zahlen im normalen und im Zehnerblock unterscheidet. Zwar hatte der Amiga 600 bereits einen internen IDE- Controller für teure 2,5-Zoll Festplatten, es gab einen Einschub für PCMCIA-Karten (für RAM-Erweiteurung, Modems oder CD-Rom genutzt wurden). Der eingebaute Speicher ließ sich durch eine Speicherkarte intern auf maximal 2 MB erweitern, auf dieser Karte saß auch die auf dem Motherboard weggesparte Echtzeituhr mit Akkupufferung. Weitere Ausbaumöglichkeiten gab es nicht. Der interne Zorro-II-Bus ist superwinzig und inkompatibel zu allen anderen. Das Hauptproblem war aber die nun inzwischen langsam veralteten Grafikausgabe und man hat auch nicht auf neue,schnellere Prozessoren (z.B.68020) gesetzt. Nach 8 Jahren Amiga hatte der Markt jedoch größere Neuerungen erwartet (mehr Farben, mehr Rechenleistung, 16-Bit-Sound, schnellere Schnittstellen, usw.)
Der Amiga1200/4000
Dem großen Konzern CBM drohte wieder u.a. aufgrund des A500+/600-Flops das Geld auszugehen. Auf Druck des mittleren Managements und der Vertriebsleute holte man "AA" (Advanced Amiga) aus der Versenkung. Die neuen Chips mit mehr Farben, mehr Speicher und durchgehender 32-Bit-Architektur waren bereits vor einem Jahr marktreif gewesen, 1992 wurden sie endlich in Seriengeräte verbaut.
Der A4000 als Nachfolger des A3000 kam wieder als Desktopgerät mit abgesetzter Tastatur daher, aufgrund der Kundenwünsche spendierte man ihm sogar den beim A3000 weggesparten 5,25-Einschub (vor allem für CD-Roms). Das Herz war ein Motorola 68030-Prozessor mit 25 MHz (auf einer Prozessorsteckkarte, so daß der Kunde ihn einfach gegen leistungsfähigere CPUs auswechseln konnte) in der Low-cost-version. Das High-end-Modell besaß bereits einen damals (bis heute brauchbaren) 68040. Das Motherboard entsprach modernster SMD-Technik, mit AA-Chipsatz, Zorro-III-Slots und Festplattencontroller. Allerdings kein SCSI wie im A3000. Sondern AT-Bus-Interface (IDE), damit die Festplatten im Einkauf billiger waren; leider waren dies Platten damals erheblich langsamer als die noch im A3000 verwendeten SCSI-Platten. Dafür war das HD-Floppylaufwerk (das man im A3000 nachrüsten konnte) serienmßig montiert. Erstmals wurden keine proprietären Speichermodule verwendet, auf der Platine finden sich statt dessen 4 PS/2-Steckplätze (und eins fürs Chip-Ram,welches man nun einfach stecken brauchte) so daß recht preiswerte RAM-Module aus der PC- bzw. Mac-Welt eingebaut werden konnten (maximal 16 MB FastRAM und 2 MB ChipRAM). Der AA-Chipsatz verhalf dem Rechner aber immer noch nicht zu einem Sound in CD-Qualität (dies ging nur mit Soundkarte) und wirklich neue Grafikmodi fehlten. Nichtsdestotrotz ist der Amiga4000 bis heute, auch gerade aufgrund des Betriebssystemes (nun Workbench 3.0) ein sehr leistungsstarker Rechner.Das nun entwickelte Betriebssystem gehört nach wie vor zu den besten und ist der Grund , warum der Amiga bis heute überlebt. Er ist intern sogar für 8Mb Chip-Ram vorbereitet, Commodore begann mit der Entwicklung eines AAA-Chipsatzes, welcher aber nie aus dem Entwicklungsstadium herauskam. Das Fazit aller Tester war damals: Endlich ein wirklich neuer Amiga. Er kam zwar um mindestens zwei Jahre zu spät, aber Commodore fand wenigsten in Punkto Grafik und Geschwindigkeit Anschluß an die PCs und Macs.
Der kleine Bruder, als Nachfolger des A500/A500+ gedacht, war der technisch eigentlich identische, jedoch mit von einem Motorola 68EC020 mit 14 MHz getriebene A1200.In einem ähnlichen Gehäuse wie der A600 (jedoch mit normaler Tastatur) war das Motherboard, eine optionale Festplatte (wieder teure 2,5-Zoll-Platten), 2 MB RAM, PCMCIA-Karteneinschub und interner Zorro-II-Bus eingebaut. Beide Systeme kamen zu spät, um noch im Weihnachtsgeschäft 1992 richtig Geld zu verdienen. Wieder war die Nachfrage größer als das Angebot, die Kunden ob der langen Lieferzeiten verärgert - und schlimmer: Die noch auf Lager liegenden A600, CDTV und A3000 wollte logischerweise auch niemand mehr haben. Statt veralteter ECS-Amigas zu kaufen, warteten die Leute lieber auf die AA-Geräte. So konnte man kein Geld verdienen. Die Quartalsverluste wuchsen. Erst nach etwa 6 Monaten stieg der Verkauf des A1200 über den des A500. Die doppelte Rechenleistung setzte sich langsam gegen die billigere Alttechnologie durch. Außerdem rüsteten viele der A1200-Käufer ihr System durch schnellere Prozessorkarten auf. Meist waren auf diesen Karten neben 68030-CPUs mit 32 MHz gleich FastRam-Sockel und SCSI-Controller vorhanden, so daß sich der allmählichen Verbreitung des Mediums CD-Rom nichts mehr im Wege stand.
CD32
Die Neuentwicklung des A1200/4000, die Verluste aus dem A600-Geschäft und der Riesenflop im Commodore-PC-Geschäft (welches Unsummen verschlang), leerte die Kassen von Commodore zunehmend. Die Verkaufserlöse nun aus den neuen Amigas wurde u.a. für die Entwicklung eines 486erPCs gesteckt, in der Hoffnung, hier doch noch Fuß fassen zu können.Auch CD32 stellte einen verzweifelten Versuch dar, Marktanteile zurückzugewinnen, im Videospiele-Markt ,welcher mit Nintendo und anderen Konsolen auflebte,war man gar nicht vertreten. So hatte man die Händler gefragt, was sie sich wünschten. Heraus kam ein Videospiel auf der Basis des A1200 inklusive Singlespeed-CD-ROM mit der Möglichkeit, das Grundgerät zu einem kompletten A1200 aufzurüsten. Als Nachfolger des glücklosen CDTV angepriesen, stellt es einen idealen Kompromiß dar: recht preiswert in der Anschaffung, spielt fast alle Amiga-CDs ab (auch viele CDTV-Titel), läßt sich mit vertretbaren Kosten zu einem "richtigen" A1200 erweitern. So waren sowohl Speieleentwickler als auch Kunden zufrieden. Leider ist Commodore im Sommer 1993 schon extrem knapp bei Kasse. Die flüssigen Gelder reichen nur für eine Serienproduktion von 100.000 CD32. Die Lieferanten bestanden angesicht der hohen Schulden auf Vorauszahlung. Das Weihnachtsgeschäft wurde diesmal genau richtig getroffen: Die Nachfrage ist enorm. Doch die 100.000 Geräte waren quasi sofort ausverkauft, alle anderen Kunden mußten bis ins Jahr 1994 vertröstet werden, bis eine zweite Auflage ausgeliefert werden sollte. Längst nicht alle Leute warteten solange. Trotz eines Verkaufsschlagers rutschte CBM weiter in die roten Zahlen. Technisch stellt allerdings das CD32 auch nicht das Optimum dar, das zu seiner Zeit möglich gewesen wäre und hätte wohl auch ohne die CBM-Pleite keine allzugroßen Marktchanchen gehabt.
Commodores Konkurs
Zum einen hatte Commodore seit etwa 1984 hatte man ein Marketingproblem. Der C64 hatte sich quasi von selbst verkauft, es brauchte nur produziert zu werden, der Markt nahm die Geräte problemlos auf. Beim Amiga war das schon ein wenig anders,hatte aber auch großen Erfolg damit. Allerdings hatte der Amiga recht schnell das Image einer "Spielekiste" weg, so daß Heimanwender mit gehobeneren Ansprüchen (Textverarbeitung, Datenbank, Tabellenkalkulation usw.) eher zu Rechnern mit besserem Softwareangebot in diesem Bereich griffen (PC-Kompatible, Macintosh). Und kleine bis mittlere Unternehmen griffen fast nie zum Amiga, sondern gleich zu Konkurrenz. Zum zweiten war die schreiende Arroganz eines Riesenunternehmens:z.B. half Commodore den Software-Entwicklern nicht. Es gab weder Entwickler-Rabatte noch Unterstützung durch CBM-Angestellte ,so daß mancher Hard- und Softwareanbieter entnervt zum PC oder Mac wechselte.) Was Commodore vorhatte, wurde niemals verkündet, der Markt brodelte immer nur von Gerüchten. Andere Firmen gaben bereits Jahre vor dem Verkauf eines neuen Gerätes Details preis, um den potentiellen Käufer heiß zu machen, CBM dementierte selbst wahre Gerüchte. Oftmals fielen sogar Entscheidungen, die dem Kundenwunsch genau entgegenliefen. Man merkte es dem Konzern an, daß er von der Finanzabteilung regiert wurde. Und sogar die waren im Vergleich mit anderen Konzernen recht ungeschickt (vorsichtig formuliert...) Zum dritten wollte Commodore alles. Sie forcierten nicht den Amiga, obwohl sie damit einen weit überlegenen Computer besaßen. Von 1984 bis 1992 lag die Weiterentwicklung des Amigas auf Eis, vielmehr versuchte man mit teuren PCs sich auf diesem Markt bis zum bitteren Ende zu etablieren. Dort wurden eine lange Zeit die Gewinne aus dem C64/Amiga- Geschäft investiert,vergebens.
Im Jahr 1993 verlor Commodore 357 Millionen US-Dollar, und der Marktanteil fiel auf magere 1,7%! Im Juni entließ man mehr als die Hälfte der Beschäftigten. Ab Ende 1993 konnte man keine Schuldentilgung mehr leisten und kämpfte verzweifelt gegen den Untergang an. Am 25 April 1994 wurden fast alle verbliebenen Beschäftigten entlassen; eigentlich entließ man alle bis auf die höheren Manager, die eigentlich alles eingebrockt hatten. Im riesigen Gelände von West Chester gab es nur noch 20 Angestellte, wo früher einmal über 1500 Lohn und Brot hatten. Am 29 April 1994 gab Commodore International bekannt, daß man unfähig zur Schuldentilgung sei und das Geschäft einstellen müßte. Die Liquidation dauerte Monate, weil CBM ein internationaler Konzern mit vielen Tochtergesellschaften war. Da CBM eine Firma mit Stammsitz in den Bahamas war, und viele Investoren aus den USA kamen, war das Ganze eine verwickelte Finanzoperation, an der eine große Zahl von Anwälten gut verdiente.
DIE ZEIT NACH COMMODORE
Bereits kurz nach dem Konkurs tauchten Gerüchte auf, deutsche Entwickler (Phase 5, Vesalia, Eagle, usw.) wollten ein Konsortium bilden, um den Namen Amiga zu erwerben. Das stieß bei den Anwendern auf positive Reaktionen, denn in der Vergangenheit hatten sich diese Firmen mit der Entwicklung von Grafikkarten, Beschleunigerboards und guter Software mehr um den Amiga verdient gemacht, als CBM selber. Die Konkursverwalter hatten jedoch nur ein Ziel vor Augen: Soviele Dollars wie möglich für die Reste zu bekommen. Deswegen hatte auch eine andere Gruppe nur wenig Chancen: Mitarbeiter der britischen Commodore-Tochtergesellschaft wollten diese und CBM weltweit (als Personal Buy Out) übernehmen. Doch auch sie bekamen nicht genügend Geld zusammen, um die Schulden zu begleichen. Der Chef der deutschen Computerhandelskette ESCOM, Manfred Schmitt, war selbst zu Anfang seiner Karriere bei Commodore Braunschweig beschäftigt gewesen. Er hatte sich dann selbständig gemacht und seine Kette von Computergeschäften war auf Platz 2 in der Bundesrepublik . Er hatte noch reichlich Kontakte zu Commodore-Mitarbeitern. Als ihm dann der Gedanke kam, die Namen Commodore und Amiga in seine Hände zu bekommen, hatte er sehr gute Startchancen. Er beauftragte Petro Tschyschtschenko (dem späteren Präsidenten von Amiga Tech. und heutigem Vize von AmigaInt.) dessen Vertrag mit Commodore noch bis Februar 1995 lief, die Übernahme für ihn zu managen. Diese spätere Auktion wurde dann eine richtig spannende Geschichte, in dem u.a. auch DELL mitbot und gar ein höheres Angebot vorlegte, aber mit Option auf Prüfung der Bücher. Genau dies verschreckte den Konkursrichter, so daß nun doch ESCOM den Zuschlag erhielt.
Unter dem Label "Commodore" wurden dann PCs verkauft, die zuvor einfach "ESCOM PC" hießen. Nur das Typenschild war etwas anders. Außerdem vermarktete man den Namen Commodore.So tauchten plötzlich Schreibmaschinen, Aktenvernichter, Telefone und Taschenrechner "Made in Fernost" bei Einzelhandelsketten wie Metro oder REAL auf, die mit dem Namen "Commodore" etwas aufgewertet werden sollte.
Amiga Technologies 
Die Amiga-Linie sollte weitergeführt und fortentwickelt werden. Der frühere Commodore-Manager Petro Tyschtschenko wurde Direktor der ESCOM-Tochtergesellschaft Amiga Technologies mit Sitz in Braunschweig. Tyschtschenko war jemand, der den Amiga wieder nach vorne bringen wollte. Er wollte den Amiga vom Motorola-Prozessor hin zu einem zeitgemäßen Design mit RlSC-Prozessor (wie in Apple Macs auf der Basis des IBM/Motorola/Apple PPC 603) und neuem Betriebsystem (z.B. Speicherschutz) hinführen. Doch zunächst wurden der A1200 und der A4000 unverändert wiederaufgelegt, einziges Zugeständnis an den Markt ist 1995 eine 170 MB-Festplatte und Software im Wert von immerhin über 1000 DM (unter anderem Grafik- Text- Tabellen- sowie Datenbank-Software und zwei Spiele). Dumm war nur, daß die A1200-Floppy aus Escoms Produktion zunächst inkompatibel zu alten Spielen war, weil man einfach vergaß die Floppys vernünftig an Amiga-Verhältnisse anzupassen. Der Amiga4000 wurde nur noch mit DD-Laufwerken ausgerüstet und kostete immer noch 4500,-, inzwischen ein stolzer Preis. Bis Ende 1995 verkauft man zwar immerhin 20.000 1200er in Europa, aber trotz Mc-Donalds-Werbekampagnen lief wenig Werbung und die Massen erreichte man nicht. In den USA begnügte man sich derweil dort noch mit dem Verkauf alter A600, die man dort irgendwo noch auf Lager hatte (habe selbst ein Gerät aus diesen Verkäufen). Ein interessanter Amiga-Clone erschien auf dem Markt: Der Draco. Mit schnellem 68060er Prozessor und optimierter Video-Hardware (allerdings ohne die Custom-Chips), avancierte dieser zum High-End-Gerät für Videoprofis. Amiga Technologies ging andere Wege: Zur CeBit 1996 stellt man ein selbstentwickeltes 4x-CD-Laufwerk vor und einen neuen Amiga (Codename "Walker"), der ab September für etwa 1600 DM erhältlich sein sollte. Auf der Basis eines Motorola 68030 (40 MHz Takt, geplant war eine Turbokarte mit PPC 603 ev RlSC-Prozessor) tummeln sich in einem staubsaugerähnlichen (aus einer Designer-Studie) schwarzen Gehäuse einige wenige neuentwickelte ICs, die sonstige Hardware stammte von Industrie-PCs (Tastatur, Maus, Speicher, Festplatte, Floppy, Netzteil, CD-Rom, PCI-Bus sind keine Eigenentwicklungen mehr. So hoffte man, Kosten zu sparen.) Die Amiga-Gemeinde war nicht gerade begeistert. Zu langsam, CPU veraltet, PC-Komponenten, kein RISC-Chip, altes Betriebssystem, usw. sorgten für einstimmige Ablehnung. Insgesamt begannen viele Amiga-Anwender nun dem Amiga den Rücken zu kehren. Der Walker war ein Synonym dafür, daß Amiga Technologies und ESCOM nicht wirklich wussten, wie es nun weitergehen sollte. Heute ist klar, man blockierte sich selbst:So wollte man ein neues Betriebssystem (AmigaOS 3.5) herausbringen, kündigte es an um es dann gleich wieder fallen zu lassen. Petro Tyschtschenko ließ es heimlich bei der neugegründeten Firma Haage&Partner (ohne Wissen der Amerikaner) weiterentwickeln (!) ,damit überhaupt was voran ging. Auch die Präsentation der Amigas in den ESCOM- Läden war mehr als dürftig: Sofern die Mitarbeiter überhaupt den Rechner präsentierten, so taten sie es in der Regel in der 4-Farben-Darstellung ganz in grau in niedriger Auflösung. Alles in allem hatte ESCOM und AmigaTechnologies das Vertrauen der Amiga-Gemeinde innerhalb kürzester Zeit verspielt.Die agilen deutschen Entwickler (Vesalia, Phase 5, ...) kündigten darauf die Eigenentwicklung eines Amiga-Power-PC-Systems an. ESCOM ging kurz nach der Messe pleite und so starb der Walker einen schnellen Tod.
GATEWAY2000 kauft auf!
Wieder hing die Amigagemeinde in der Schwebe. Viele Anwender, die den Wechsel zu ESCOM noch mitgemacht hatten, und danach einen der neuen alten A1200 erworben hatten, kehrten dem Amiga den Rücken und wechselten (meist zum PC), laufende Gerüchte verunsicherten den Markt weiter. Mal wollte VisCorp die Amiga-Rechte aufkaufen (um eine SetTopBox für den Empfang digitaler Fernsehkanäle daraus zu machen), Zeitschriften wollten schon den Vertrag gesehen haben, ein anderes Mal Schadt Computertechnik, dann machten deutsche Entwicklergruppen um Phase 5 und Eagle erneut Kaufangebote. Aber alles ging sehr schleppend voran. Lediglich die Entwicklung einer PPC-Turbokarte durch Phase5 war in dieser Zeit ein Lichtblick und alle treuen Amiga-User hatten harte, hämische Zeiten zu überstehen. Erst am 27 März 1997 kaufte Gateway 2000, eine große amerikanische Kette (PC-Geschäfte und PC-Versandhandel) überraschenderweise den Amiga auf. Amiga Technologies stellte den Betrieb endgültig ein, dafür tauchte Amiga International auf.
Amiga International
Man hatte die Firma nun gesplittet: In Braunschweig blieb man zwar, aber dort war nur die Verwaltung und ein Lager. Unter Jeff Schindler wurde in den USA eine neue Entwicklungsabteilung aufgebaut. Deren Öffentlichkeitsarbeit erinnerte mehr als übel an unselige Commodore- Zeiten, Gerüche tauchten auf, es wurde dementiert und wieder angekündigt und wieder dementiert (so z.B. das AmigaOS 3.5). Anderthalb Jahre nach Kauf von Gateaway hat Amiga International nichts auf die Beine gebracht! Es wurden weiterhin die alten A1200 und A4000 Geräte verkauft, die bereits ESCOM nicht loswurde. Neu war nur, daß man vermehrt Lizenzen an alle vergab, die sie wollten, so daß alle möglichen Clones mit der Aufschrift "powered by amiga" erschienen. (z.B. Eagle, dessen Rechner allerdings Qualitätsmängel aufwiesen). 1,5 Jahre, wo sich das Computergeschäft immer schneller dreht. Immer neue PCs und Grafikkarten wurden auf dem Markt geschmissen, immer günstiger und leistungsstärker. Mit Windows 95 eroberte ein Betriebssystem quasi den ganzen Markt,welches zwar dem AmigaOS noch nicht das Wasser reicht, aber wen interessiert das schon, wenn flotte 3D-Spiele auf einem schlechten Betriebssystem läuft als gar keines auf einem guten. So dünnte sich die Reihen der Getreuen weiter aus, lediglich als belächelter Nischencomputer konnte man sich halten und das Herauskommen der PPC-Karte (mit gut 15000 Käufern weltweit) schaffte einen neuen Amiga-Standard. Doch Gateaway hatte genug investiert und wollte die Entwicklung vorantreiben- zunächst schien es so. So wurden die amerikanischen Entwickler angetrieben, ein neues AmigaOS und neue Rechner zu entwickeln. Kursierten darum nur bisher nur dementierte Gerüchte, präsentierte man im November98 in Köln einen neuen Partner von Amiga International: QNX! QNX ist ein Multitasking-Betriebssystem für PCs, mit einem superwinzigen Kernel (48kb), extrem sauber programmiert und bietet sich geradezu an die Vorzüge des bestehenden (in die Jahre gekommenen) AmigaOS anzuknüpfen. Ganz plötzlich wurde am 20.1.1999 die Firma erneut umstrukturiert, die alten Entwickler um Jeff Schindler bzw. Petro Tyschtschenko wurden in die zweite Reihe geschickt und Jim Collas, der bis dahin Vize bei Gateaway war, als neuer Präsident eingesetzt. Nun kam zwischenzeitlich neue Hoffnung auf neue Hard- und Software von Amiga auf.. Zwar mußte kurz vor Jim Collas Berufung Fleecy Moss gehen, es kamen aber auch neue hinzu u.a Dr.Rick LeFaivre (zuvor u.a. bei Apple und SUN), so daß neue Hoffnung aufkeimte. Die Informationspolitik wurde durch Jim Collas erheblich verbessert, das AmigaOS 3.5 wurde endlich veröffentlicht (durch die externe Firma Haage&Partner) und zum erstenmal seit langem stand ein charismatischer Visionär an der Spitze der Amiga- Firma. Im Sommer 99 wurde auch der geplante Superrechner AmigaMCC vorgestellt.Leider war die Freude und der Aufschwung nur von kurzer Dauer: Jim Collas verließ Anfang September unter fadenscheinigen Gründen die Firma, eine Reihe der Entwickler gingen. Tom Schmidt wurde vorrübergehend Präsident und stellte (vorerst) den AmigaMCC , die neue Informationspolitik und alles weitere auf Eis. Folge: Eine ganze Reihe treuer Amigianer und Firmen verliessen erneut den Markt...
AMINO KAUFT AUF
Zum Jahrtausendwechsel kauften Bill McEwen und Fleecy Moss die Amiga-Patente auf. Nach so vielen Wirrungen und Wendungen sind jetzt zumindestens Entwickler im Besitz der Rechte, die sich schon immer für den Amiga stark machten. Viele Informationen über Pläne sind derweil noch nicht bekannt geworden. Es wurde im Frühjahr 2000 ein Entwickler-PC (basierend auf Linux) vorgestellt, man hat eine Kooperation mit TAO bekanntgegeben. Außerdem sind erneut die Namen Corel und Sun gefallen. Angekündigt sind neue Rechner und ein portables , neues AmigaOS....welches allerdings nur auf PPC-Amigas lauffähig sein wird....
Commodore, CBM, Amiga, das Commodore-Logo, das Amiga-Logo, PET, VIC20, C64, SX64, C16, C116, C128, C610, C900, SFD1001, Zorro, Walker, Denise, AGA, "AA", "AAA", A500, A500plus, A600, A1000, A1200, A2000, A3000, A4000, A4000T, Intuition, WorkBench, usw. sind Warenzeichen von Commodore, Amiga International, Amiga Technologies, Gateway 2000 Alle Angaben sind nach bestem Wissen und Gewissen gemacht. Da es aber noch keine wissenschaftlich exakte Darstellung der Computerhistory gibt, sind Fehler unvermeidlich und stellen keine bewußte Verzerrung der Geschichte der genannten Firmen dar.
Quelle u.a Computergeschichte von CHRISTIAN ZAHN (siehe Link oben) Stand: Mai 2000
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